Reitwein

Lkr. Märkisch-Oderland
Burgwall nördlich von Lebus am Rande des Oderbruchs, slawisches Mittelalter

Martin Petzel

Die eindrucksvolle Burganlage nördlich von Lebus am Rand des Oderbruchs wurde ca. 45 m oberhalb der Oder errichtet. Seit dem 19. Jahrhundert ist die Wall-Burg als Kulturdenkmal auf den Karten verzeichnet.

Die auf einem Plateau errichtete Burg 4,4 ha Gesamtfläche besteht aus zwei Siedlungsarealen. Der Schutz der Burgbewohner ist durch Abschnittswälle, die dazugehörigen Gräben und die natürlichen steilen Hänge zur Oder, den Biergrund im Norden und den Nachtigallengrund im Süden, gegeben. Die Anlage selbst teilt sich in zwei fast gleich große Bereiche. Diese Siedlungsflächen sind im westlichen Bereich mit einer Abschnittsbefestigung gesichert. Der Zugang führt über die Höhe der Lebuser Platte bis an den ehemaligen Torbereich. Wahrscheinlich gab es Tunneltore, die durch die Wälle führten.

1930 konnten beide Flächen jeweils mit einem großen T-förmigen Sondierungsschnitt untersucht und zudem ein Vermessungsplan erstellt werden. Verschiedene aufeinander folgende Kulturschichten und Gruben mit unterschiedlicher Nutzung (Vorrats- und Abfallgruben) belegen eine mehrphasige Besiedlung. Die Ausgrabung erbrachte eine große Anzahl älterslawischer Keramik. Nach 1945 wurde nochmals ein Wallprofil dokumentiert.

Die im slawischen Mittelalter, vom 8. bis zum 10. Jahrhundert, genutzte befestigte Siedlung lag im westslawischen Siedlungsgebiet zwischen Elbe und Oder. Aus dieser Zeit sind zahlreiche Burganlagen mit ähnlicher Funktion bekannt. Sie bildeten frühe Siedlungszentren der slawischen Kleinadligen und ihrer Gefolgschaft.

Literatur:

Klaus Grebe/Rainer Schulz, Beobachtungen am Burgwall von Reitwein, Kr. Seelow. In: Ausgrabungen und Funde, Band 25, 1980, Heft 2, S. 85- 93.

Rainer Schulz, Der slawische Burgwall bei Reitwein,Kr. Seelow. In: Berlin und Umgebung, Stuttgart 1991 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland Bd. 23), S. 225-227.