Klimadaten aus der Havel

Was das Holz über Fürstenberg/Havel, Lkr. Oberhavel, verrät

Probenentnahme an hölzernen Bauteilen vom historischen Mühlenstandort in Fürstenberg/Havel. Fotos: Ph. Bach, bab Hauptmann Bach GmbH

Viele Hundert hölzerne Bauteile, zumeist Gründungspfähle, kamen bei der Tiefenenttrümmerung von Teilen eines historischen Mühlenstandortes in Fürstenberg/Havel (Lkr. Oberhavel) und dem Ausbau des Mühlgrabens ans Tageslicht.

Es gelang, zumindest einen kleinen Teil der Hölzer dendrologisch und dendrochronologisch zu untersuchen.

Seit dem Mittelalter ist nahe der Burg Fürstenberg eine Alte Mühle überliefert. Für die Neue Mühle am südlichen Zehdenicker Tor und den Mühlgraben - nach den Urkunden bislang auf 1568 datiert – ergaben die Dendrodaten eine Sensation: sie führen mehr als zweihundert Jahre weiter zurück, in die 1330er-Jahre. Damit ergibt sich ein völlig neuer stadtgeschichtlicher Aspekt!

Ende des 19. Jh. wurde die Neue Mühle unter Verwendung älterer Bauteile in eine Wasserkraftanlage umgebaut. In den 1970er-Jahren ersetzte man die Turbinen, die jahrzehntelang die Stadt mit Strom versorgt hatten, durch ein einfaches Stahlwehr. Derzeit wird wiederum ein regelbares Stauwehr errichtet - der Anlass für die jüngsten Untersuchungen.

Über die archäologisch-historische Bedeutung hinaus stellt der Fürstenberger Nassholzkomplex eine wertvolle Quelle für die Klimaforschung dar. Ein interdisziplinäres, langfristiges Großprojekt der Helmholtz-Gesellschaft (TERENO) bezieht die Hölzer als regionales Archiv für historische Klimaschwankungen und Umweltvariabilität in die Auswertung ein. Diese lässt wertvolle Informationen zur Landschafts- und Klimaentwicklung erwarten. Zusammen mit anderen Daten ermöglicht die Analyse zudem eine hochpräzise Paläoklimarekonstruktion.

Th. Hauptmann