Letzter Blick auf Mariannensglück

Stillgelegte Grube im Tagebau Welzow-Süd dokumentiert

Zum ersten Mal in der Lausitz wurden jüngst Hinterlassenschaften des Altbergbaus montanarchäologisch dokumentiert. Die Aufmerksamkeit galt der Grube „Mariannensglück“ im heutigen Tagebau Welzow-Süd, in der man von 1895 bis in die 1930er Jahre Braunkohle aus 20 m Tiefe ans Tageslicht beförderte. Daraus stellte die Brikettfabrik Kausche „saubere, schmucke Steine“, also Briketts, her, wie der Senftenberger Chronist Paulitz um 1910 stolz vermerkte. Nun fiel die alte Tiefbau-Grube dem modernen Großtagebau mit Förderbrücke zum Opfer.

Zunächst wurden die vom Vorschnittbagger angeschnittenen Strecken und Bruchkammern des damals üblichen Pfeilerbruchbaus freigelegt sowie Förderstrecken der Kettenbahn fotografisch festgehalten. Schwere Technik kam zum Einsatz, um den in Höhe der Altbergbausohle befindlichen Stumpf eines Wasserhaltungsschachtes kontrolliert abzutragen. Natürlich nicht ohne zuvor die aus markierten Teilen bestehende eiserne Schneidkante mit aufliegenden Schachthölzern der 1894 als Senkschacht angelegten und aus Klinkern aufgemauerten Schachtröhre zu dokumentieren. Zu den Fundstücken aus der Verfüllung gehört eine Öl-Grubenlampe. Aus dem benachbarten Förderschacht, der die mit der Kettenbahn ankommenden beladenen Hunte nach Übertage in die Brikettfabrik transportierte, konnten als Sachzeugen Auflaufbleche und Schilder geborgen werden, außerdem für Ausstellungszwecke einzelne Türstöcke zwischen zwei Bruchkammern. Im Abgleich mit Archivmaterial liefern die montanarchäologischen Befunde industriegeschichtliche Details zur Entwicklung des Braunkohlenbergbaus im Niederlausitzer Revier.

E. Bönisch, K. Männig