Vergebliche Mühe

Feuersteinbearbeitung in Plaue

An dieser ca. 5,5 cm langen gestielten Pfeilspitze hatte der neolithische Handwerker keine Freude wegen des brüchigen Materials blieb es beim Halbfabrikat Foto: FU Berlin

Sorgfältige Arbeit - schlechtes Material

Der gezielten Suche nach neolithischen Siedlungsspuren galt eine studentische Lehrgrabung der Freien Universität Berlin auf einem Fundplatz bei Plaue, Stadt Brandenburg a. d. H. Mit auffälligen runden bis ovalen Verfärbungen von 0,5 m Durchmesser, die bis 1,2 m tief reichten, gab sich dabei eine Feuersteinabbau-Grube zu erkennen. Fast senkrecht eingetieft, durchstieß sie nur knapp eine starke Kieselschicht, die kleine bis mittelgroße Feuersteinknollen enthielt. Vergleichbare Gruben des neolithischen Feuersteintagebaus sind von Krzemionki in Ostpolen bekannt. Die Plauer Grube enthielt keine Funde. Zu den neolithischen Artefakten im Umfeld gehören u. a. zahlreiche Klingen, Klingen- und Kernabschläge, Geschossspitzen sowie eine besonders gut gearbeitete, gestielte und geflügelte Pfeilspitze. Die vielen Abschläge lassen vermuten, dass sowohl Gewinnung der Flintknollen als auch Herstellung und Bearbeitung der Geräte direkt vor Ort stattfanden.

An verschiedenen Stellen der Grabungsfläche konnte eine Kiesschicht beobachtet werden, in der sich häufig kleinere Flintknollen fanden. Verschiedene Artefakte verweisen auf die eher schlechte Qualität des Rohmaterials. Dies lässt sich besonders gut an einem Stück nachvollziehen, aus dem anscheinend eine gestielte Pfeilspitze entstehen sollte. Deutlich sind die Ansätze des Stiels und des Flügels zu erkennen. Das brüchige Material verhinderte schließlich die Fertigstellung des Stückes.

Erste typologische Untersuchungen weisen für einige Exemplare sicher in die Havelländische Kultur. Diese Datierung stützen einzelne gleichzeitige Keramikscherben. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich auch metallzeitliche Flintgeräte unter dem Material befinden.

E. Jagemann, C. Laschinski, H.-J. Nüsse