Glatt rasiert

Siedler in Lossow

Lossow. Bronzenes Rasiermesser eines Bewohners der Vorburgsiedlung Foto: A. Mehner

Rasiermesser aus Vorburgsiedlung

Die aktuellen Forschungen am Burgwall von Lossow (Stadt Frankfurt/Oder) beschränken sich nicht auf den Burgwall selbst, sondern zielen erstmals auch auf das Siedlungsumfeld dieses spätbronze- bis früheisenzeitlichen Zentralortes. Dazu gehören Feldforschungen im Bereich der Vorburgsiedlung. Obwohl Vorburgsiedlungen in der Lausitzer Kultur nicht selten sind, wurde bisher in Deutschland keine einzige tiefgründig archäologisch untersucht. Als Belege existieren nur Oberflächenbefunde und Luftbilder. Den Grabungen an der Vorburgsiedlung in Lossow gingen Prospektionsbohrungen, Phosphat- und Wölbungskartierungen, Feldbegehungen sowie geomagnetische Untersuchungen voraus. Auf einer Fläche von etwa 10000 m² wurden nahezu 5000 Funde dokumentiert, vorwiegend Keramik. Das Befundbild entspricht – wie erwartet - dem gleichzeitiger unbefestigter Siedlungen: unter der Kulturschicht erscheinen die typischen Feuerstellen, Vorrats- und Pfostengruben. Eine Besonderheit sind große lineare Strukturen, die auf den Burgwall Bezug nehmen und sich bereits im Magnetogramm und im Luftbild abzeichneten. Einzelne Aunjetitzer Formen belegen die Nutzung der Vorburgsiedlung seit der frühen Bronzezeit, also lange vor der bisher angenommenen Errichtung des Walls. Die Mehrzahl der Befunde datiert in die jüngere Bronze- und frühe Eisenzeit.Das Fundgut enthält nur wenige bemerkenswerte Objekte. Dazu zählt ein bronzenes, für die Lausitzer Kultur typisches einschneidiges Rasiermesser. Es steht den Typen Lhán und Hrušov nahe und ist deren bislang nördlichster Fund. Seine Auffindung im Bereich einer Siedlung ist ungewöhnlich, da die bekannten Stücke überwiegend aus Grabzusammenhängen stammen.

A. Mehner