Leben am Rande des Oderbruchs

Ein neolithisches Grabenwerk bei Rathsdorf, Lkr. Märkisch-Oderland

Leben am Rande des Oderbruchs

Am nördlichen Rand einer ausgedehnten Sandinsel bei Rathsdorf (Lkr. Märkisch-Oderland) ließ sich über eine Länge von 30 m ein neolithisches Grabenwerk verfolgen. Es besteht aus einem knapp 1,2 m tief erhaltenen, an zwei Stellen unterbrochenen Sohlgraben und einem kleineren, südlich gelegenen Palisadengraben. Die Gräben im Abstand von 5 m orientieren sich am Relief und nehmen deutlich Bezug aufeinander. Das wenige Fundmaterial aus der Verfüllung des Sohlgrabens – Silices und Keramikfragmente – weist die Anlage nach erstem Augenschein in die Trichterbecherkultur.

Die Mehrzahl der 840 Befunde konzentrierte sich weiter südlich: hier wurde ein bereits bekanntes Areal spätbronze- und früheisenzeitlicher Speichergruben erneut erfasst. Die bis zu 1,2 m tiefen Gruben waren vereinzelt mit dichten Keramik- oder Steinpackungen verfüllt. Ein Befund enthielt zudem eine beträchtliche Menge Rohbernstein.

Ein Neunpfostenspeicher und ein Grubenhaus vom Sechs-Pfosten-Typ datieren in die jüngere römische Kaiserzeit. In slawischen Hausgruben des 9. Jh. überdauerten exzellent erhaltene Fischknochen. Zu den Kugeltöpfen aus Gruben des ausgehenden 13. Jh. gehörte ein mit der Öffnung nach unten deponiertes Gefäß, das sich als mittelalterliche Nachgeburtsbestattung deuten lässt.

Die Vielfalt und die zeitliche Tiefe der Befunde belegen eindrucksvoll, dass sich Siedler in allen Epochen gern am Rande des Oderbruchs niederließen.

R. Lehmphul