Herzberg, Lkr. Elbe-Elster. Konservierung der Gewölbemalereien im Langhaus der St. Marienkirche

Im Rahmen der umfassenden Sanierung der um die Wende zum 15. Jahrhundert erbauten Herzberger Stadtkirche, einem der bemerkenswertesten Niederlausitzer Kirchenbauten, hat die Bearbeitung der Gewölbemalereien herausragende Bedeutung. Die figürlichen und dekorativen, böhmisch beeinflussten Malereien im Chor vom Anfang des 15. Jahrhunderts wurden durch die Amtswerkstatt 1992 untersucht und entsprechend dem vorgegebenen Konzept 1993 gesichert.

Gegenwärtig steht die Bearbeitung der im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts im Langhaus ausgeführten Gewölbemalereien an. Das ikonografisch interessante, mariologische Programm nimmt Bezug auf die etwas älteren Malereien im Chor der Kirche, es variiert und erweitert die dortigen figurativen und dekorativen Gestaltungen. Sowohl die figürlichen Darstellungen im Mittelschiff als auch die fantastischen Blütenmalereien in den Seitenschiffen beeindrucken durch die souveräne Gestaltung der Flächen und die kraftvolle Farbigkeit.

Wie im Chor waren auch diese spätgotischen Malereien nie übertüncht. Bei einer Restaurierung des 19. Jahrhunderts beschränkte man sich auf eine Trockenreinigung und geringfügige Ergänzungen im Bereich von Fehlstellen. Insofern haben wir es hier mit dem seltenen Fall zu tun, dass ein bedeutender spätmittelalterlicher Malereizyklus nahezu unverfälscht erhalten blieb. Abgesehen von Verschmutzungen, einigen Farbwertveränderungen und inzwischen vielen kleineren Fehlstellen kommt der originale Bestand wie zum Zeitpunkt seiner Entstehung zur Wirkung.

Allerdings ist dieser in seiner Vollständigkeit einzigartige Bestand an qualitätvollen Wandmalereien bereichsweise akut gefährdet. Anders als bei den etwas älteren Malereien im Chor, wo man sich 1993 im Rahmen der statischen Sicherung im Wesentlichen auf eine Konsolidierung einzelner Putzbereiche beschränken konnte, zeigen im Langhaus Tünche und Malschicht großflächig verschiedenartige Veränderungen und Schäden.

In Vorbereitung auf die Konservierung wurden im Herbst 2000 Sondierungen durch das Referat Restaurierung des BLDAM unternommen, um das Schadensausmaß und die Grundlinien für die restauratorische Bearbeitung zu bestimmen. In einer Facharbeit sowie in seiner Diplomarbeit befasste sich

ein Student des Studienganges Restaurierung der Potsdamer Fachhochschule mit der für die Schadensphänomenologie relevanten Gipsproblematik, vertiefte die Untersuchungen zur Schadensgenese und erarbeitete Grundlagen für die Konservierung der Malschicht und zum Monitoring.

Im Jahr 2002 konnte die Konservierung der Malereien im Langhaus begonnen werden. Diese besteht zunächst in der Niederlegung und Festigung der akut gefährdeten Bereiche. In der Folge geht es darum, den Festigungserfolg zu kontrollieren und über die weitere Ergründung der komplexen Schadensmechanismen die nachhaltige Konservierung zu gewährleisten. In diese Untersuchungen ist der Studiengang Restaurierung der Potsdamer Fachhochschule auch mit der Erforschung von Oberflächenphänomenen durch UV-Untersuchungen eingebunden.

Im Rahmen eines Projektes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt werden die Entstehung und die Auswirkungen der oberflächlichen Gipsbelastung untersucht sowie Möglichkeiten und Grenzen der restauratorischen Bearbeitung bestimmt.

Hans Burger