Geschichte des Messbildarchivs

Der älteste und bedeutsamste Teil des heutigen Messbildarchivs ist eine von Albrecht Meydenbauer (1834-1921) angelegte Sammlung von Messbildern.

 

Brandenburg an der Havel, Stadtpfarrkirche St. Gotthard von Südwesten, Messbildaufnahme von 1895 (BLDAM, Messbildarchiv)
Brandenburg an der Havel, Stadtpfarrkirche St. Gotthard, Reproduktion einer photogrammetrischen Zeichnung der Südseite von 1895 (BLDAM, Messbildarchiv)

Als junger „Regierungs-Bauführer“ hatte Meydenbauer nach einer Alternative zu den gefährlichen Aufmaßarbeiten gesucht, die er selbst als Vorbereitung für Restaurierungen leisten musste. Er fand diese Alternative in der Herstellung von Messbildern. Sein grundlegender Gedanke war dabei gewesen, die absoluten Maße eines fotografisch abgebildeten Objektes, insbesondere von Baudenkmalen mit ihren Details, durch die Umkehrung der Perspektive im Bild mathematisch zu ermitteln, um somit (Architektur-) Zeichnungen ohne die üblichen Messfehler und „Färbungen“ des individuellen Zeichnens zu ermöglichen. In der Entwicklung dieses Ansatzes wurde Meydenbauer zum Begründer der Photogrammetrie, mit den von ihm entworfenen Messkammern auch zum Schöpfer des photogrammetrischen Gerätebaus.

Seine Messkammern waren zugleich Fotoapparat und exaktes Winkelmessinstrument. Sie erzeugten Bilder, die – zusammen mit den technischen Notizen bei der Aufnahme – zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet und in Zeichnungen umgesetzt werden konnten – auch dann, wenn das fotografierte Bauwerk vernichtet war.

Die fortschreitende Zerstörung von Baudenkmalen im Blick galt das Engagement des Architekten – als dritter entscheidender Komponente seines Wirkens – auch dem Aufbau eines Denkmälerarchivs, also einer Sammlung messtechnischer Dokumentationen, die als zuverlässige Grundlagen bei der Restaurierung von Baudenkmalen dienen, aber auch verschwundene Gebäude für die Nachwelt belegen sollten. Die Messbilder, technischen Angaben und Auswertungszeichnungen zu allen bedeutenden Bauten des Deutschen Reiches hoffte er in einem solchen Denkmälerarchiv vereinen zu können.

Mit seiner Berufung als Baurat in das Kultusministerium erhielt er schließlich den Auftrag, die Photogrammetrie als Dokumentationsverfahren für die Denkmalpflege einzuführen. In der Folge wurde im April 1885 die Königlich Preußische Meßbildanstalt gegründet, die Albrecht Meydenbauer bis 1909 leitete. Sie war die erste Einrichtung dieser Art in der Welt. Sitz der Messbildanstalt wurde die Schinkel’sche Bauakademie in Berlin. Auf zahlreichen Aufnahmereisen, die z.T. auch ins Ausland führten, entstand nach und nach ein reicher Fundus an qualitätvollen Messbildern, darunter von Bauten, die heute nicht mehr existieren.

Die Königlich Preußische Meßbildanstalt bestand aufgrund der sich immer stärker verschlechternden wirtschaftlichen Lage nur bis zum Jahr 1921. Die daraufhin gegründete Staatliche Bildstelle Berlin, als deren geschäftliche Vertretung der Deutsche Kunstverlag wirkte, übernahm Archiv und Gerätschaften, stellte Messbildaufnahmen jedoch nur noch in Ausnahmefällen her. Zur Betriebsstrategie wurde es stattdessen, die Sammlung der Architekturfotografien durch Aufnahmen der Plastik, der Malerei und des Kunstgewerbes für den Bedarf der gesamten Kunstwissenschaft zu erweitern. Dennoch entstanden auch in den Folgejahren vereinzelte Aufnahmereihen im Messbildverfahren.

Die Staatliche Bildstelle Berlin blieb bis 1933 im Gebäude der Bauakademie, zog dann in ein Obergeschoss des ehemaligen Marstalls in der Breite Straße. Dieser wurde im März 1943 völlig zerstört. Die wertvollen, im Laufe der Jahre noch weiter angewachsenen Negativbestände sowie die wichtigsten Findmittel waren jedoch noch rechtzeitig ausgelagert worden. Im April 1945 beschlagnahmten sowjetische Truppen die Kisten mit den Negativplatten und transportierten sie nach Moskau. Von den übrigen Unterlagen, den Katalogen, Verzeichnissen, aber auch von den Geräten und Akten fehlt bis heute jede Spur.

Die DDR erhielt den größten Teil der Negative 1958 zurück. Im darauf folgenden Jahr wurde die Kunstgeschichtliche Bildstelle beim Institut für Kunstgeschichte der Humboldt-Universität Berlin gegründet. Sie sollte die im ehemaligen Geschäftshaus Gormannstraße 22 in Berlin-Mitte untergebrachten Fotografien erneut erschließen und nutzbar machen.

Im Jahr 1968 übernahm das Institut für Denkmalpflege die Sammlung unter der Bezeichnung „Messbildstelle“. Mit modernen Geräten stellte man nun wieder Messbildaufnahmen her, nutzte diese und auch den erhaltenen Bestand und ergänzte ihn durch weitere Erwerbungen.

Als 1977 der Produktionsbereich ausgegliedert und mit dem Namen Messbildstelle als selbständige Einheit dem VEB Denkmalpflege zugeordnet wurde, verblieb die historische Sammlung als „Messbildarchiv“ beim Institut für Denkmalpflege.

Nach seiner Gründung 1991 wurde das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege mit der Verwaltung des Messbildarchivs betraut. Dafür stellte das Land Brandenburg mit Unterstützung des Bundes finanzielle Mittel zur Erhaltung und Sicherung seiner Sammlungsbestände zur Verfügung.

Im Messbildarchiv befinden sich heute insgesamt über 100.000 historische Aufnahmen von bestehenden und von inzwischen zerstörten Bau- und Kunstdenkmalen.

 

Zur Nutzung des Messbildarchivs