Größte-Genetik Studie zu Jäger-Sammlern beleuchtet 30.000 Jahre Menschheitsgeschichte

04.03.2023

Präsentation einer Blockbergung aus Groß Fredenwalde in der Uckermark in der HTW Berlin im Januar 2023. Foto: Alexander Rentsch.

Der Bestattungsplatz auf dem Weinberg in Groß Fredenwalde in der Uckermark, spielt eine besondere Rolle. Mit dem größten jemals erstellten Genomdatensatz europäischer Jäger und Sammler hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Tübingen, unter anderem mit Beteiligung des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, ganz neue Erkenntnisse zur genetischen Abstammungsgeschichte unserer Vorfahren in der Fachzeitschrift Nature vorgestellt. Die Studie der insgesamt 125 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat dabei die Genome von 356 Individuen, darunter 116 völlig neu analysierte Genomdatensätze, ausgewertet.

So konnte festgestellt werden, dass die Menschen der eiszeitlichen Gravettien-Kultur (etwa 34.00-24.000 vor heute) in West- und Osteuropa keine nähere genetische Verbindung aufweisen. Mit den dynamischen Wärme-Kälte-Zyklen am Ende der letzten Eiszeit kam es ab etwa 14.000 vor heute zu einem umfangreichen Bevölkerungswechsel. Die Gemeinschaften in West- und Zentraleuropa blieben danach genetisch für fast 6.000 Jahre von den osteuropäischen Jäger-Sammler-Gruppen isoliert. Die Gene der Individuen am Fundplatz Groß Fredenwalde weisen für die Zeit vor etwa 8.000 Jahren erstmals Kontakte zwischen den östlichen und westlichen Jäger-Sammler-Gemeinschaften nach. Die gerade entstandene Ostsee trug vermutlich zur Begünstigung des Ost-West-Austausches bei. Die Gruppen, die hier aufeinandertrafen, unterschieden sich deutlich in Haut- und Augenfarbe und anderen Merkmalen.

Eine weitere Frage konnte mit der Genanalyse beantwortet werden: Der vor etwa 7.000 Jahren bestattete letzte Jäger-Sammler von Groß Fredenwalde kannte bereits die eingewanderten frühen Bauern, die sich schon seit Generationen ganz in der Nähe niedergelassen hatten.

Eine genetische Vermischung mit den Bauern lässt sich jedoch nicht nachweisen, die benachbarten Gruppen blieben also vorerst unter sich. Die Breite und zeitliche Tiefe der Studie bietet nun viele Anknüpfungspunkte für weitere interdisziplinäre Forschungen zu 30.000 Jahren Menschheitsgeschichte.

Projekt: „Der mesolithische Bestattungsplatz von Groß Fredenwalde, Brandenburg – späte Jäger-Sammler in einer sich wandelnden Welt“, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Originalveröffentlichung: Cosimo Posth et al. Paleogenomics of Upper Paleolithic to Neolithic European hunter-gatherers. Nature 2023. https://www.nature.com/articles/

Freilegungsarbeiten an einem Grab in Groß Fredenwalde. Foto: C. Krauskopf, BLDAM.

Freilegungsarbeiten an einem Grab in Groß Fredenwalde. Foto: C. Krauskopf, BLDAM.Projektbeteiligte:

  • Dr. Thomas Terberger, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege / Universität Göttingen
  • Dr. Franz Schopper, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum
  • Andreas Kotula, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum
  • Dr. Thomas Schenk, Grabungstechnik, Dokumentationsmethoden in der Archäologie, Archäologische Prospektion, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
  • Dr. Henny Piezonka, Juniorprofessur für Anthropologische Archäologie am Institut für Ur- und Frühgeschichte, Universität Kiel
  • Bettina Jungklaus, Anthropologin, Berlin
Eine Blockbergung “am Haken” in Groß Fredenwalde in der Uckermark im Jahr 2019. Foto: Donata Fugger.

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