Friesack

Lkr. Havelland
Archäologische Untersuchung des mesolithischen Wohnplatz bei Friesack
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Die seit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts bekannte Raststelle mittelsteinzeitlicher Jäger und Sammler (9500 bis 5500 v. Chr.) auf einer flachen Talsandkuppe im westlichen Rhinluch war bereits mehrfach Ziel von Ausgrabungen. Auf dem Platz gruben der Entdecker M. Schneider von 1916 bis 1925, in der Nachfolge H. Reinerth 1940 und von 1977 bis 1989 sowie 1998 B. Gramsch. Vorwiegend galt das Interesse den subaquatischen Schichten. Die insbesondere in den letzten Jahrzehnten durchgeführte Grundwasserabsenkung im Rhinluch gefährdete die organischen Funde. Die besonders von B. Gramsch freigelegten organischen Funde wie Geweih- und Knochengeräte, Netz- und Seilreste oder ein Birkenrindenbehälter sind bisher einmalig für den norddeutschen Raum und darüber hinaus.

Da die Sandkuppe, die teilweise durch alte Sandentnahme gestört ist, der Gefährdung durch Viehvertritt unterliegt, sollte in einer Testfläche untersucht werden, ob sich Lagerplatzstrukturen anhand signifikanter Fundverteilungen analog anderen gleichzeitigen Fundplätzen im norddeutschen Flachland abzeichnen. Gleichzeitig wurde angestrebt, die neuen Befunde in Bezug zu den älteren Ausgrabungsergebnissen zu setzen.

Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum führte unter der Leitung von Herrn Dr. Stefan Wenzel mit dieser Fragestellung in den Jahren 2000 und 2001 zwei Kampagnen durch. Dabei wurde eine Fläche von insgesamt 253 qm geöffnet.

Die Grabungsbefunde liessen sechs mittelsteinzeitliche Gruben erkennen. Sie enthielten neben Steingeräten vor allem kleinste Fischknochen, Reste von Sumpfschildkröten und vom Wildschwein. Die vermuteten Lagerstrukturen konnten aber, bedingt durch vielfältige Störungen im Boden, an dieser Stelle nicht gesichert werden.

Das für die brandenburgische und auch internationale Forschung bedeutsame Bodendenkmal soll nun vorerst gegen die schleichende Zerstörung durch Beweidung geschützt werden.

Günter Wetzel

Literatur:

Bernhard Gramsch, Ausgrabungen auf dem mesolithischen Moorfundplatz bei Friesack. In: Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam 21, 1987, S. 75-100.

Stefan Wenzel, Lagerplätze am Bogen des Flusses. Neues zum mesolithischen und neolithischen Fundplatz Friesack 4, Landkreis Havelland. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg 2000, S. 32-35