Wertvoller Einhornteppich kehrt zurück in die St. Gotthardtkirche

22.05.2026

Der Einhornteppich. Foto: Hans-Uwe Salge

Der mittelalterliche Einhornteppich kehrt an seinen angestammten Platz in der Taufkapelle der St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel zurück. Die wertvolle Tapisserie wurde im vergangenen Jahr aufwändig von der Potsdamer Textilrestauratorin Julia Zitzmann unter Mitarbeit von Isa Hesse und Mareike Kamm restauriert.

Gefördert wurde diese Restaurierung von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, der Hermann-Reemtsma-Stiftung, dem Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder, dem Museum Barberini sowie von Spenderinnen und Spendern. Mit der Unterstützung der Förder*innen konnte zudem eine neue Spezialvitrine angefertigt werden, die ein optimales Klima für den mittelalterlichen Wirkteppich garantiert.

Im Museum Barberini in Potsdam wurde der Brandenburger Einhornteppich in der internationalen Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ vom 25. Oktober 2025 bis 1. Februar 2026 mit über 150 anderen Exponaten aus aller Welt gezeigt. Frau Prof. Dr. Claudia Rückert, Referentin für Kunstgut im Kirchlichen Bauamt und Dörte Busch vom BLDAM haben die Restaurierung fachlich begleitet. Der Einhornteppich stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Unter welchem Umständen dieser in die Brandenburger St. Gotthardtkirche kam, ist ungeklärt. Auch die ursprüngliche Funktion ist nicht bekannt, eventuell diente er als Wandteppich, Banklaken oder als Antependium (Altarschmuck).

Er besticht durch seine intensive Farbigkeit. Ebenso unbekannt ist seine Herkunft. Der Teppich stellt eine Jagdgesellschaft in höfischer Tracht dar, die in Burgund verbreitet war. Eine Jungfrau umfasst das Horn eines Einhorns. Eine Deutung könnte sein, dass die Jungfrau vor einer Entscheidung steht, eine Ehe einzugehen oder ein klösterliches Leben in Keuschheit zu wählen. Das Einhorn könnte als Symbol für Christus stehen.

Der mittelalterliche Einhornteppich mit den an der Restaurierung beteiligten Verantwortlichen: V.l.n.r. Pfarrer Philipp Mosch, Denkmalpflegerin Dörte Busch, Restaurator Matthias Farke, Prof. Dr. Claudia Rückert, Restauratorinnen Julia Zitzmann, Isa Hesse, Mareike Kamm, Denkmalpfleger Rüdiger Renisch. Foto: Hans-Uwe Salge

Der Öffentlichkeit wird der restaurierte Einhornteppich am 19. Juni 2026 um 15 Uhr in der St. Gotthardtkirche präsentiert. Inspiriert vom Einhornteppich haben die Bücherkinder der Evangelischen Grundschule Brandenburg an der Havel ein Einhornbuch mit eigenen Texten gestaltet. Es werden Kostproben daraus zu hören sein. Die Ausstellung im Museum Barberini und die Bücherkinder wurden filmisch begleitet von Mathias Frick. Der Regisseur der ARTE-Dokumentation „Das Einhorn. Kulturgeschichte einer Sehnsucht“ wird ebenfalls anwesend sein und seinen Film präsentieren. Die St. Gotthardtkirche ist täglich von 11-16 Uhr für Besucher*innen geöffnet.