Abtauchen ins Seddiner Häusermeer – Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt vertiefende Forschungen
13.05.2026
©1km entfernt. Das Bild verdeutlicht die immense Siedlungsausdehnung. Foto: Seminar für Ur- und
Frühgeschichte der Universität Göttingen
Das Kooperationsprojekt „Siedlungsumfeld Seddin (SiSe-1) – Die Siedlung des ‚König Hinz‘? Eine Siedlung bei Seddin in unmittelbarer Nähe der jungbronzezeitlichen Großgrabhügel im Spannungsfeld zwischen Dorf, Großsiedlung oder Herrschaftssitz“ wird fortgeführt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Förderung des abschließenden Projektjahres ab April 2026 bewilligt. Der Folgeantrag wurde im September 2025 von Prof. Dr. Franz Schopper (Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, BLDAM) und Dr. Immo Heske (Georg-August-Universität Göttingen) eingereicht. Im Fokus stehen die wissenschaftliche Auswertung bereits geborgener Funde und Proben sowie ergänzende geophysikalische und naturwissenschaftliche Untersuchungen. Ziel ist es, Ausdehnung, Bestandsdauer und Entwicklung der bronzezeitlichen Siedlung bei Seddin genauer zu bestimmen. Nach Angaben der Projektleitung haben die ersten drei Projektjahre die Erwartungen sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich übertroffen. Besonders hervorzuheben sind der Umfang der Geländearbeiten sowie die Dokumentation außergewöhnlicher Befunde, darunter das bislang größte nachgewiesene Gebäude der Siedlung, „Haus 1“. Im nun bewilligten letzten Projektjahr stehen keine weiteren großflächigen Ausgrabungen im Mittelpunkt. Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf der wissenschaftlichen Auswertung und Absicherung der bereits gewonnenen Daten. Geplant sind zusätzliche naturwissenschaftliche Untersuchungen zur Bestandsdauer der Siedlung, zur landwirtschaftlichen Nutzung sowie zur räumlichen Ausdehnung des Siedlungsareals. Darüber hinaus sollen vorhandene 14C-Proben, Phosphatproben und botanische Makroreste ausgewertet werden. Ergänzend sind geophysikalische Prospektionen geplant, um die westliche Begrenzung der Siedlung genauer zu bestimmen. Eine einwöchige, aus Eigenmitteln finanzierte Kampagne mit Bohr- und Schachtsondagen dient der Überprüfung geomagnetischer Ergebnisse und zugleich der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem der Frage nach dem Beginn der Besiedlung, die möglicherweise bereits im 12. Jahrhundert v. Chr. einsetzte.

Mithilfe weiterer 14C-Datierungen sollen die einzelnen Siedlungsphasen präziser chronologisch differenziert werden. Für das Projekt konnte zusätzlich eine Stelle zur Aufarbeitung der Grabungskampagne 2025 eingeworben werden. Darüber hinaus unterstützen studentische Hilfskräfte die Arbeiten und tragen zur kontinuierlichen Bearbeitung des umfangreichen Fundmaterials bei. Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen die herausragende Bedeutung des Fundkomplexes für die bronzezeitliche Forschung in Brandenburg und darüber hinaus. Aufgrund der großflächigen Siedlungsstrukturen sowie weiterer archäologisch relevanter Befunde in der Mikroregion um Seddin besteht auch über das Projektende hinaus erheblicher Forschungsbedarf.
Filme über Seddin auf dem YouTube-Kanal des BLDAM