Rheinsberg, Lkr. Ostprignitz-Ruppin. Pension "Heim am See"

In Rheinsberg hat sich ein interessantes Zeugnis der Architektur- und Sozialgeschichte des 20. Jh. erhalten, das im Dezember 2005 in die Denkmalliste eingetragen worden ist. Es ist die ehemalige Pension „Heim am See“, die sich nördlich des Stadtkerns, auf einem Grundstück am Grienericksee befindet (Reuterpromenade 8). Sie wurde 1934/35 für Gerda von Heymann und Charlotte Nagel errichtet, die hier eine Pension mit Heilbehandlungen und vegetarischer Kost betrieben. Die Entwürfe stammen von Max Karl Schwarz aus Worpswede und wurden von Hans Berndt bearbeitet. Die Ausführung übernahm der Rheinsberger Architekt und Bauunternehmer Paul Gundlach. Das Gebäude wird heute als privates Wohnhaus genutzt.Das Wohnhaus ist ein langgestreckter eingeschossiger Blockbohlenbau auf massivem Sockelgeschoss. Der linke Bauteil springt zur Straße vor. Dort befinden sich der Haupteingang und sechs schmale „gotisierende“ Fenster. Die Längsfront rechts davon weist querliegende Rechteckfenster auf. Die Gartenseite verfügt über ein hohes Sockelgeschoss und einen durchlaufenden Balkon. Der linke Hausteil wird von einem überstehenden Pyramidendach gedeckt, der rechte von einem überstehenden Walmdach. Im Inneren blieb die bauzeitliche Aufteilung weitgehend bewahrt. Im Sockelgeschoss liegen die Küche und andere Wirtschaftsräume. Im linken (südlichen) Bauteil befinden sich im Erd- und Dachgeschoss Büro und Wohnräume. Nach rechts folgt im Erdgeschoss ein Flur mit Gästezimmern.Hinter der Pension erstreckt sich ein schlichter Hausgarten bis ans Seeufer, der ehemals nach Planungen von Max Karl Schwarz gestaltet war. Erhalten hat sich dort ein polygonaler Pavillon aus Holz mit Schilfdach.

Mit ihrer höchst individuellen Bauweise und Gestaltung, insbesondere der Blockbohlenbauweise, Fassade und Dachform des Wohnhauses, sowie ihrer durchdachten Nutzungskonzeption ist die ehemalige Pension, bestehend aus heutigem Wohnhaus und Pavillon, bau- und kulturgeschichtlich bedeutend als Zeugnis einer auf gesunde Lebensweise gerichteten Reformbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jh. und des Wirkens des einflussreichen Haus- und Gartengestalters Max Karl Schwarz aus Worpswede. Sie nimmt damit eine Sonderstellung in der Wohnhausarchitektur der zwanziger und dreißiger Jahre des 20. Jh. in der Region ein. Das Wohnhaus mit Pavillon ist zudem stadtgeschichtlich bedeutend als Zeugnis für den Ausbau Rheinsbergs zum überregional bekannten Kur- und Erholungsort in der ersten Hälfte des 20. Jh. und der damit einhergehenden Entwicklung der Rheinsberger Stadterweiterungen.

Aufgrund seiner Blockbohlenbauweise, seiner Fassadengestaltung mit spitzbogigen bzw. schmalen querrechteckigen Fenstern und seines überstehenden Pyramiden- bzw. Walmdachs hebt sich das ehemalige Pensionsgebäude deutlich von der umgebende Bebauung ab und gehört zu den einprägsamsten Bauten im nördlichen Rheinsberger Vorstadtgebiet. Das Wohnhaus besitzt daher auch städtebauliche Bedeutung.

Matthias Metzler

 

Literatur: Ulrike Schwarz, Matthias Metzler u.a., Landkreis Ostprignitz-Ruppin – Gemeinde Fehrbellin, Amt Lindow (Mark) und Stadt Rheinsberg ( = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Denkmale in Brandenburg, Band 13.2), Worms 2003.