Burg Ziesar. Denkmalpflege zwischen Bewahrung alter und Hinzufügung neuer Qualitäten

Die ehemalige Bischofsresidenz in Ziesar ist in Norddeutschland die einzige Burg mit erhaltenen Wandfassungen von Sakral- und Profanräumen des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Ihre Ausstattung aus dieser Zeit (u.a. die Heizung) blieb zum Teil bis heute bewahrt. Die spätgotische Kapelle der Burg markiert mit ihrer prachtvollen Hoffassade einerseits und dem wehrhaften Charakter der Stadt andererseits den Übergang in der typologischen Entwicklung von der Burg- zur Schlosskapelle.

Die Burg besitzt mehrere, ineinander verschränkte Bau- und Umbauphasen. Die Entstehung in der Romanik und die Umbauten der Spätgotik, des Barock sowie die Umbauten aus dem späten 19. Jahrhundert und den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts sind dabei wichtige und qualitätvolle Änderungsphasen, auf die das denkmalpflegerische Hauptaugenmerk zu richten war. Die Vervollständigung einer Phase zu Ungunsten einer anderen war dabei ausgeschlossen. Vielmehr wurde der überkommene Stand denkmalpflegerisch bewertet und danach Entscheidungen zur Konservierung und Restaurierung getroffen. Einbauten der 50er Jahre im Palas wurden zum Beispiel als qualitätlos eingestuft und nach einer Dokumentation entfernt. Wichtige Befunde des spätgotischen und barocken Umbaus werden hingegen präsentiert. Die Baugeschichte sollte dabei in situ gezeigt werden, ohne das noch vorhandene, zusammenhängende Erscheinungsbild als Ergebnis der gesamten Baugeschichte zu zerstückeln. Die Befunde werden museal präsentiert, wenn es konservatorisch keine Bedenken gibt und das Ausstellungskonzept darauf reagieren kann.

Mit dem Umbau der Burg zum Museum ist eine neue Schicht am Denkmal entstanden, die die Qualitäten der verschiedenen vorhandenen Umbauphasen respektiert. Spätere Generationen werden entscheiden, ob diese neue Schicht eine weitere Qualität darstellt, die es dann wieder zu bewahren gilt.

Aus heutiger denkmalpflegerischer Sicht war die produktive Auseinandersetzung mit dem Ziel, alte Qualitäten zu bewahren und neue hinzuzufügen, im Ergebnis ein gelungener Prozess. In Ziesar ist über die Jahre ein team- und konfliktfähiges Gremium entstanden, das durch die Diskussion der jeweiligen Belange denkmalverträgliche Lösungen erarbeitete. Auf diese Weise hat sich letztendlich der denkmalpflegerische Gedanke des Substanzerhalts bei veränderter Nutzung in einem – gerade auch für die Öffentlichkeit nachvollziehbaren – Abwägungsprozess durchgesetzt. Die Burg Ziesar ist dafür ein gelungenes Beispiel.

Wir verweisen auf die hierzu erschienene Baumonographie, die die aktuellen Forschungsergebnisse zusammenfasst:

Veröffentlichungen des Museums für brandenburgische Kirchen- und Kulturgeschichte des Mittelalters, Band 1

BISCHOFSRESIDENZ BURG ZIESAR: DAS HAUS – DAS DENKMAL – DAS MUSEUM

Herausgeber: Clemens Bergstedt, Thomas Drachenberg, Heinz-Dieter Heimann

Berlin 2005 / ISBN 3-936872-41-4

Thomas Drachenberg