Kulturerbe unter Wasser

19.08.2026

Der 21.08. ist der internationale Tag des Kulturerbes unter Wasser

Tauchgang an einem Kaffenkahn im Werbellinsee. Postkarte des BLDAM. Foto: K. Dieterle

Nicht nur an Land finden wir ein reiches kulturelles Erbe, sondern auch verborgen unter der Wasseroberfläche der Meere, Seen und Flüsse. Am Grund unserer Seen, Flüsse und Moore schlummern archäologische Stätten, die von erheblicher Bedeutung für das Verständnis vergangener Zeiten sind. Auch Brandenburgs Gewässer sind voll von Zeugnissen aus unterschiedlichen Epochen, von denen wir bisher aber nur einen Bruchteil kennen.

Der 21.8. wurde von der UNESCO zum Internationalen Tag des Kulturerbes unter Wasser erklärt. Unser Kulturerbe unter Wasser – ob bekannt oder unbekannt – ist jedoch durch illegale Bergungen, kommerzielle Ausbeutung des Meeresgrundes oder Seebodens, touristische Nutzung und Klimawandel (Niedrigwasser, Trockenheit, Stürme) gefährdet.

Obwohl Brandenburg ein Binnenland ist, ist es reich an Gewässern und archäologischen Fundstellen unter Wasser. Hierzulande regelt das Denkmalschutzgesetz den Schutz der unter Wasser liegenden Fundstellen eindeutig. Sie sind geschützte Denkmale.

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Tauchgang an der Kemlade vom Altenhof im Webellinsee. Foto: R. Blum, Verein für Unterwasserarchäologie e.V.

Teile von Deutschlands Meeren und Seen befinden sich dagegen in Gebieten, für die bisher nicht geklärt wurde, wer denkmalpflegerisch zuständig ist. Zum Schutz dieses Kulturerbes müssen Zuständigkeiten und Meldewege festgelegt werden, um eine effektive Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene zu gewährleisten. Hierfür ist die Ratifizierung des UNESCO-Übereinkommens zum Schutz des Unterwasserkulturerbes von 2001 durch Deutschland und Österreichdringend notwendig. Dies und die damit verknüpften Ausführungsgesetze würden es ermöglichen, die Denkmale vollumfänglich – auch unter Wasser – zu betreuen und für unsere Nachkommen bestmöglich zu erhalten.

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Die vielen Seen, Flüsse, Fließe und künstlichen Wasserwege dienten über Jahrtausende als Verkehrsnetze, Grenzen, Kommunikations-, Wirtschafts- und Lebensräume. Auch in Brandenburg sind Fundstellen aus unterschiedlichsten Epochen im Wasser zu finden: Ein ursprünglich 9 m langer Einbaum des slawischen Mittelalters wurde 1935 bei Meliorationsarbeiten im „Alten See“ in der Nähe der Burg Ziesar entdeckt. Brücken und Stege verbanden Inselsiedlungen zum Festland – Reste von slawischen Übergängen finden sich in Form von erhaltenen Pfostenkonstruktionen im Oberuckersee bei Fergitz oder im Liepnitzsee bei Lanke. Auch Befestigungen in Form von Holzkonstruktionen von bronzezeitlichen und slawischen Burgwällen können unter Wasser erhalten sein – in einem See in der Märkischen Schweiz ragen Konstruktionsteile eines spätbronzezeitlichen Burgwalls ins Wasser und blieben unter sehr guten Bedingungen unter Sauerstoffabschluss erhalten. Kaffenkähne sind eine Fundgattung der Zeit vom 18. bis zum 20. Jh., die eindrucksvoll den Handel von Roh- und Baustoffen über Wasserwege belegen. Im Werbellinsee liegen untergegangene Kaffenkähne samt Beladung. Ein komplettes Exemplar aus der Havel ist im Technikmuseum in Berlin zu besichtigen. Auch aus der jüngsten Vergangenheit finden sich bedeutende archäologische Spuren in Gewässern, in Form von Flugzeugwracks aus dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit des Kalten Krieges, die über Seen abstürzten oder notlanden mussten. Vielfach sind diese Stellen nicht nur aufgrund ihrer historischen Bedeutung, sondern auch als Kriegsstätten gesetzlich geschützt.

Hören Sie ab dem 21.8. unsere neue Podcast-Folge und das Video “Unterwasserarchäologie in Brandenburg“. Beide haben am Internationalen Tag des Kulturerbes unter Wasser Premiere.

UNESCO-Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser