Quadratisch, magisch: „Templum“? Ein neuer Gebäudebefund beim „Königsgrab“ von Seddin

14.10.2026

Der quadratische Bau. Foto: S. Weinberger, Seminar UFG, Universität Göttingen

Gebäude in der jüngeren Bronzezeit sind – in allen Regionen und Hausbaulandschaften – immer langrechteckig gebaut. Nicht so in Seddin: Der im September 2026 freigelegte Grundriss besitzt Abmessungen von 10,6 m in Nord-Süd und 11,4 m in West-Ost-Ausrichtung. Er ist damit annähernd quadratisch und übertrifft in der Breite sogar die „Halle des Königs“. Quadratische Gebäude sind in der Urgeschichte sehr unüblich, es gibt nur vereinzelt Beispiele. In Seddin liegt nun ein großes, quadratisches Gebäude vor, das exponiert in Spornlage auf einer leichten Anhöhe stand. Die Bauweise mit Wandgräbchen und darin liegenden Steinen entspricht jener der „Halle des Königs“. Wie ist nun dieses Gebäude zu werten? Denn: das Gebäude spricht nicht für sich. Während der Grabungen der zurückliegenden zehn Jahre kam in Seddin relativ wenig Keramik aus Siedlungsgruben zutage.

Drohnenaufnahme der neuen Grabungsflächen in Seddin. Foto: S. Weinberger, Seminar UFG,
Universität Göttingen

Es fand sich eine überschaubare Anzahl von Scherben von Schalen und Schüsseln (Terrinen), von „Doppelkoni“ und Vorratsgefäßen. Vorratsgefäße erreichen Durchmesser von 30-40 cm (weitere Gefäße sind deutlich kleiner), sie entsprechen damit dem üblichen Standard. Im Umfeld des quadratischen Gebäudes kommen nun unglaubliche Fundmengen an Keramik zum Vorschein. Einige Gefäße besitzen erstaunlich große Randdurchmesser von über 50 cm. Die Größe der Gefäße deutet darauf hin, dass sie für besondere Anlässe, etwa für die Darreichung von Speisen und Getränken an größere Menschengruppen, genutzt wurden. Ungewöhnlich sind auch die großen Mengen an Tierknochen. Die Grabungen in der Siedlung von 2015 bis 2025 erbrachten bisher zwei (!) Tierknochen. Im Umfeld des quadratischen Gebäudes traten nun in allen bisher untersuchten größeren Grubenbefunden Fragmente von verbrannten Tierknochen auf – offenbar handelt es sich ausnahmslos um bewusst verbrannte Tierkadaver. Wie die Tierverbrennung zu bewerten ist, müssen die weiteren naturwissenschaftlichen Untersuchungen klären. Offenbar wurden hier Tiere in größeren Mengen verspeist und die Knochen danach verbrannt. Während der Grabungen der zurückliegenden zehn Jahre kam in Seddin relativ wenig Keramik aus Siedlungsgruben zutage. Es fand sich eine überschaubare Anzahl von Scherben von Schalen und Schüsseln (Terrinen), von „Doppelkoni“ und Vorratsgefäßen. Vorratsgefäße erreichen Durchmesser von 30-40 cm (weitere Gefäße sind deutlich kleiner), sie entsprechen damit dem üblichen Standard. Im Umfeld des quadratischen Gebäudes kommen nun unglaubliche Fundmengen an Keramik zum Vorschein. Einige Gefäße besitzen erstaunlich große Randdurchmesser von über 50 cm.

Grubenbefund mit spätbronzezeitlicher Keramik. Foto: S. Weinberger, Seminar UFG, Universität Göttingen

Die Größe der Gefäße deutet darauf hin, dass sie für besondere Anlässe, etwa für die Darreichung von Speisen und Getränken an größere Menschengruppen, genutzt wurden. Ungewöhnlich sind auch die großen Mengen an Tierknochen. Die Grabungen in der Siedlung von 2015 bis 2025 erbrachten bisher zwei (!) Tierknochen. Im Umfeld des quadratischen Gebäudes traten nun in allen bisher untersuchten größeren Grubenbefunden Fragmente von verbrannten Tierknochen auf – offenbar handelt es sich ausnahmslos um bewusst verbrannte Tierkadaver. Wie die Tierverbrennung zu bewerten ist, müssen die weiteren naturwissenschaftlichen Untersuchungen klären. Offenbar wurden hier Tiere in größeren Mengen verspeist und die Knochen danach verbrannt. Es ist auch nicht auszuschließen, dass vollständige Opfertiere bei Zeremonien auf Scheiterhaufen verbrannt wurden, wie es etwa in der Illias des Homer beschrieben wird. Was war nun das quadratische Gebäude? Es liegt etwa 900 m vom „Königsgrab“ entfernt und ist über die Keramik und die bisher vorliegenden absoluten 14C-Daten zeitgleich mit der Grablege des „Königs Hinz“. Lage im Gelände, Form und Fundmaterial weisen den Bau als besonderes Gebäude aus. War es ein „templum“, also ein Ort für Zeremonien? Die archäologische Forschung in Seddin bleibt spannend! Das Projekt ist eine Kooperation des BLDAM und des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen.

Die Pressemeldung

Weitere Informationen zum “Königsgrab” und den Ausgrabungen im Siedlungsumfeld:

Abtauchen ins Seddiner Häusermeer – Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt vertiefende Forschungen

“Häusermeer” der Bronzezeit in Seddin entdeckt

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Im Podcast DENKMALZEIT. Podcast-Folge: Vom Angraben und von Pegelverläufen

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