Erfassungsprojekt Braunkohle-Kulturlandschaft

Interaktive Karte zum Erfassungsprojekt

Die Braunkohleindustrie beeinflusste die Lausitz über viele Jahrzehnte. Sie war Arbeitgeber, prägte Biographien und Identitäten und veränderte die Landschaft grundlegend. Aber woran lässt sich diese mittlerweile über 170-jährige Prägung der Lausitz durch den Kohleabbau eigentlich stofflich festmachen? Welche materiellen Zeugnisse gibt es, die von der Bergbau-Geschichte der Lausitz erzählen können und welche davon sind so aussagekräftig und bedeutsam, dass sie dauerhaft erhalten bleiben sollten, auch nach dem geplanten Kohleausstieg bis 2038?

Zur Erforschung dieser bergbaubedingten Kulturlandschaft in der brandenburgischen Lausitz führte das BLDAM von 2021 bis 2023 ein Erfassungsprojekt durch. Die erfassten Objekte können auf dieser Internetseite nachvollzogen werden. Vor dem Hintergrund des Strukturstärkungsgesetzes Kohleregionen wurde das Projekt vollständig durch Bundesmittel finanziert und erfolgte in Kooperation mit den gleichzeitig stattfindenden Erfassungen in den demnächst stillzulegenden Braunkohlerevieren in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen.

Erfasst werden sollten alle braunkohlenbezogenen Bauten und technische Anlagen einschließlich ihrer landschaftlichen und städtebaulichen Kontexte, die in unmittelbarem und mittelbarem Zusammenhang mit der Braunkohleindustrie stehen. Die Bestandsaufnahme kann damit auch als Basis für die Identifizierung möglicher Objekte für Machbarkeits- bzw. Potentialstudien dienen.

Für die brandenburgische Lausitz dokumentierten wir, ein interdisziplinär zusammengesetztes Team mit Sitz in einem ehemaligen Bergbauverwaltungsgebäude, dem heutigen IBA-Studierhaus in Großräschen, etwa zwei Jahre lang die bergbaubedingte Kulturlandschaft mit ihren prägenden materiellen Zeugnissen. Dabei wurden wir unterstützt von vielen Einzelpersonen, Vereinen, Museen, Universitäten und Kommunen und nicht zuletzt den Mitarbeitenden der LEAG, der LMBV, des LBGR, des LfU und vielen weiteren, denen wir an dieser Stelle unseren herzlichen Dank aussprechen möchten!

Das Untersuchungsgebiet umfasste vier brandenburgische Landkreise und die Stadt Cottbus.
Quelle: © GeoBasis-DE/LGB, dl-de/by-2-0

Vier Landkreise und die Kreisfreie Stadt Cottbus bildeten das Untersuchungsgebiet. Ebenfalls Teil des Niederlausitzer Lagerstättenbezirks ist das ehemalige Frankfurter Braunkohlerevier, das im Rahmen dieses Projekts leider nicht bearbeitet werden konnte.

Um die weit verzweigten kulturlandschaftlichen Zusammenhänge zu erfassen, wurden die einzelnen Elemente der bergbaubedingten Kulturlandschaft systematisiert. In Abstimmung mit den anderen Bundesländern wurden sieben Themengebiete/Kategorien festgelegt, denen die Objekte zugeordnet wurden:

1.            Bergbau
2.            Energiegewinnung
3.            Veredelung
4.            Technische Infrastruktur
5.            Sozialstrukturen
6.            Begleit- und Folgeindustrie
7.            Bergbaufolgelandschaft

Die Objekterfassung erfolgte in einer geoinformationsbasierten Datenbank, die speziell für das Erfassungsprojekt erstellt wurde. So konnten durch die Auswertung historischer Landkarten, Luftbilder, dem digitalen Geländemodell (DGM), Fachliteratur und weiterer Schriftquellen aber auch anhand mündlicher Aussagen und vor allem natürlich der Begehung vor Ort über 2100 Objekte mit Bergbaubezug dokumentiert werden. Mit der Verortung der Objekte gelang es außerdem räumliche Beziehungen zu verdeutlichen als auch Informationen für die Darstellung inhaltlicher oder funktionaler Zusammenhänge zu verknüpfen.

Erfassungsbereiche.
Quelle: © GeoBasis-DE / BKG 2023 dl-de/by-2-0; © Erfassungsprojekt Lausitz / BLDAM 2023 dl-de/by 2.0, © GeoBasis-DE/LGB, dl-de/by-2-0 / © OpenStreetMap contributors

Die Veröffentlichung dieser Projekt-Datenbank ermöglicht nun allen Interessierten einen Überblick über die materiellen Zeugnisse des Braunkohlebergbaus. Sie dient auch der Bewahrung des Wissens nach dem Kohleausstieg über den bis heute dominierenden Wirtschaftszweig im Lausitzer Revier und leistet damit hoffentlich nicht nur einen Beitrag zur Vermittlung der Geschichte, sondern auch dem Erhalt des Baubestands.

Bei Fragen, Hinweisen oder Ergänzungen freuen wir uns über Nachricht an: lausitzprojekt@bldam.brandenburg.de

Projektleitung:
Louise Warnow M.A., Tanja Trittel M.Sc.

Wissenschaftliche Erfassung:
Franz Dietzmann M.Sc.
Dipl.-Ing. Kirsten Krepelin
Dr. Barbara Kündiger
Kaja Boelcke M.A.
Tanja Trittel M.Sc.
Alexandra Krug M.A.